Mit rund sechzehn Stunden Spieldauer gehört Richard Wagners DER RING DES NIBELUNGEN zu den maßlosesten Unternehmungen der Operngeschichte. Die Frage, ob sich dieses pathetisch überhöhte Weltendrama sinnvoll verdichten lässt, drängt sich geradezu auf: Und ja, es geht!
Mit präziser Ironie hat Loriot den Kern der Tetralogie freigelegt und damit etwas geleistet, woran Wagner selbst scheitert: eine epistemologisch klare Lesart der Handlung. Seine pointierte Zusammenfassung entlarvt die vermeintlich heroischen Figuren als erstaunlich banale Akteure eines selbstverschuldeten Untergangs. Getrieben von Besitzgier und Machtfantasien, überschreiten sie systematisch ihre Grenzen und zerstören am Ende nicht nur ein mythisches Gefüge, sondern auch sich selbst.
Umrahmt von den musikalischen Höhepunkten der Tetralogie eröffnet DER RING AN EINEM ABEND einen idealen Einstieg in Wagners Monumentalwerk – humorvoll, unprätentiös und frei von jedem fanatischen Wagner-Kult.