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Premiere: 19. September 2026
Spielort: GLOBE Coburg
Sparte: Musiktheater

Musiktheater nach dem Film DAS CABINET DES DR. CALIGARI in 24 Szenen und einem Zwischenspiel
Text: Alexander Charim
Musik: Ulrich Kreppein
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Auftragswerk des Landestheaters Coburg
Gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

Auf einem Jahrmarkt in einer deutschen Kleinstadt präsentiert der mysteriöse Dr. Caligari seine sensationelle Attraktion: den Somnambulen Cesare, der die Zukunft voraussagen kann. Die Freunde Franzis und Alan lassen sich aus Neugier auf das unheimliche Spektakel ein – mit fatalen Konsequenzen. Kurz darauf wird Alan tot aufgefunden und Francis versucht fieberhaft, die Täter*innen zu entlarven. Steckt Dr. Caligari selbst hinter dem Verbrechen oder liegt die Wahrheit noch tiefer verborgen?
DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) gilt als Meilenstein der Kinogeschichte. In seiner surrealen, albtraumhaften Handlung verschwimmen Wahn und Wirklichkeit, während Machtmissbrauch, Manipulation und die totale Unterwerfung des Individuums auf beklemmende Weise erfahrbar werden. Ulrich Kreppein und Alexander Charim bringen nun erstmals mit CALIGARI diesen Horror- und Psychothriller als immersives Musiktheater auf die Bühne des GLOBE und übersetzen die expressionistischen Bilder des Films in eine unmittelbar erfahrbare, atmosphärische Wirklichkeit voller Spannung, Furcht und musikalischer Intensität.

Unser herzlicher Dank gilt Herrn Thomas Knoll (Coburg) für seine wertvolle Unterstützung der Produktion CALIGARI sowie dem Theaterkreis Coburg für die finanzielle Unterstützung zum Erwerb des im Stück benötigten Marimbaphons.

Sa 19.09.

19:30 Uhr

CALIGARI (UA)
Premiere

Musiktheater

Nach dem Film Das Cabinet des Dr. Caligari – Musiktheater von Alexander Charim und Ulrich Kreppein

GLOBE Coburg

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GLOBE Coburg

Karten
Mi 23.09.

19:30 Uhr

CALIGARI (UA)

Musiktheater

Nach dem Film Das Cabinet des Dr. Caligari – Musiktheater von Alexander Charim und Ulrich Kreppein

GLOBE Coburg

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GLOBE Coburg

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So 04.10.

15:00 Uhr

CALIGARI (UA)

Musiktheater

Nach dem Film Das Cabinet des Dr. Caligari – Musiktheater von Alexander Charim und Ulrich Kreppein

GLOBE Coburg

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GLOBE Coburg

Karten
Fr 09.10.

19:30 Uhr

CALIGARI (UA)

Musiktheater

Nach dem Film Das Cabinet des Dr. Caligari – Musiktheater von Alexander Charim und Ulrich Kreppein

GLOBE Coburg

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GLOBE Coburg

Karten
Do 15.10.

19:30 Uhr

CALIGARI (UA)

Musiktheater

Nach dem Film Das Cabinet des Dr. Caligari – Musiktheater von Alexander Charim und Ulrich Kreppein

GLOBE Coburg

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zum letzten Mal

GLOBE Coburg

Karten
  • David Preil

    (Musikalische Leitung)

  • Alexander Charim

    (Inszenierung)

  • Ivan Bazak

    (Bühnenbild/Video)

  • Aurel Lenfert

    (Kostüme)

  • Ben Köster

    Choreinstudierung

  • André Sievers

    (Dramaturgie)

  • Chorsoli und Chor des Landestheaters Coburg

  • Statisterie des Landestheaters Coburg

  • Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Neues im Musiktheater ist seltsam auf Vergangenes bezogen: in der Oper werden ja meist historische Stücke aufgeführt. Allerdings wäre es falsch, Oper zu einem Museum zu erklären, denn die Stücke finden ja jetzt statt, werden heute auf Zeitgenossenschaft abgeklopft. Diese paradoxe Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart ist ein Wesenskern der Oper.

Opern sind Wiedergänger, wo Verdrängtes nach oben dringt: überwunden geglaubte Traumata, sexuelle Begierden und Schuldgefühle. Darin liegt auch politisches Potenzial, wie die Verdrängung sexueller Lust im 19. Jahrhundert, wo verbotene Beziehungen und Männerfantasien Opernhandlungen prägten.

Die Fähigkeit, Verdrängtes hervorzuholen, hat die Oper noch heute. Die Traumata der Gegenwart sind jedoch weniger erotischer als vielmehr thymotischer Natur: die Kränkung des (männlichen) Stolzes in einer unübersichtlichen Wirklichkeit, der Zorn auf die Welt, gekränkte Freiheit und Zerstörungslust. Angst hört auf, ein individuelles Gefühl zu sein, und beginnt, eine Gesellschaft zu bestimmen.

Deshalb ist Das Cabinet des Dr. Caligari kein Stoff der Vergangenheit. Der Film ist ein Seismograph. Als er 1920 erschien, bündelte er die psychische Verfassung der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg. Kriegstrauma, Demütigung, Orientierungslosigkeit und die Sehnsucht nach einer neuen Ordnung verdichteten sich in einer einzigen Konstellation: Caligari und Cesare. Der eine befiehlt, der andere handelt. Der eine spricht, der andere tötet. Wie weit kann die Macht eines Menschen über einen anderen reichen?

Alle Figuren kreisen um die Autorität. Sie unterwerfen sich ihr, bekämpfen sie, begehren sie und wollen sie selbst erlangen. Autorität ist keine Ordnung, sondern ein Begehren. Gleichzeitig zerfällt die Wahrheit. Niemand besitzt den ganzen Zusammenhang; jede Version der Geschichte wird von einer anderen in Frage gestellt. Der Arzt lügt, die Institution schützt den Täter, die Patienten werden manipuliert, der Erzähler verliert das Vertrauen in seine eigene Erinnerung. Wirklichkeit zerfällt in konkurrierende Erzählungen. Die paranoide Struktur des Films ist zu einer politischen Form der Wahrnehmung geworden.

Gegenwart spiegelt sich in der Vergangenheit und umgekehrt. Deshalb beunruhigen uns Bilder aus den zwanziger Jahren: nicht nur, weil sich darin die Gegenwart spiegelt, sondern weil wir fürchten, die Tragödien der Vergangenheit zu wiederholen. Denn auch politische und gesellschaftliche Zusammenbrüche sind Wiedergänger, und unsere Angst ist auch die Angst vor der Lust, sich erneut in diese Abgründe zu stürzen. Jean-Paul Sartre beschreibt dieses Schwindelgefühl nicht als die Angst in den Abgrund zu fallen, sondern sich hineinzustürzen. Angst zieht uns magisch an – darin liegt ihre Macht.

Caligari ist der Scharlatan unserer Zeit. Er erkennt die Angst, verstärkt sie und verwandelt sie in Manipulation und Chaos. Cesares Morde beseitigen keine Feinde, sie verstärken die allgemeine Paranoia. Gewalt wird zur Botschaft. Und doch endet die Bewegung nicht bei Caligari. Hinter Cesare steht Caligari, hinter Caligari der Arzt, hinter jeder Instanz scheint sich eine weitere zu verbergen. Macht erscheint als unendliches Spiegelkabinett, als paranoide Architektur. Die Erzeuger der Angst handeln selbst aus Angst, Demütigung und Erniedrigung. Herrschaft wird zum Versuch, die eigene Ohnmacht in Macht zu verwandeln.

Um diese Welt auf erfahrbar zu machen, bedarf es einer Form, womit wir beim Horrorfilm wären. Wie die Oper thematisiert dieser Verdrängtes und beide Genres handeln auch von Lust – im Horror von der Lust an Angst und an Zerstörung. Was liegt also näher, als Horrorfilm und Oper miteinander zu verbinden?

Eine Musik der Angst müsste Anziehung und Abstoßung zugleich auslösen: sie würde sich dauernd verwandelt, zwischen Faszination, Schönheit, Lust, Unruhe und Unsicherheit changieren. Caligari versucht eine Harmonik zu entwickeln, die an bekannte Klangwelten anknüpft und diese auflöst. Alles zerfließt, man kann sich nicht festhalten und gleitet lustvoll wie beunruhigt durch die Klangwucherungen. Alles zerfällt, formiert sich neu, zieht immer nach vorne, ohne anzukommen.

Caligari ist der Versuch einer Horroroper. Der Versuch, der unsicheren Weltlage ein Erlebnis zu geben – nicht zu mahnen oder zu predigen, sondern die Erfahrung selbst Form werden zu lassen. Wir erzählen Caligari nicht als Geschichte des Wahnsinns, sondern als Anatomie einer Gesellschaft, in der Angst zum politischen Prinzip wird. Vielleicht liegt darin die eigentlichen Aktualität des Stoffes: Wir sehnen uns nach dem Herrscher und zugleich nach seiner Vernichtung.

Alexander Charim & Ulrich Kreppein